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Vortrag auf der 1. Tagung des Berliner Chancengleichheitsprogramms
am 22. Mai 2003:
Geschlechterforschung in der Frauengesundheitsforschung -
Gewalt, Gesundheit und Geschlecht
Die Soziale Konstruktion von Maskulinität und die
Geschlechtsspezifische Funktion von Diäten
Barbara Klingenspor
Bulimische Essstörungen treten zwar überwiegend
in der weiblichen Bevölkerung auf, werden jedoch selten als Symptome von
sozialer Unterdrückung und Gewalt erkannt.
Geschlechtsstereotypen - direkt (feminin, maskulin) und
indirekt (nachgiebig, wettbewerbsorientiert) mit dem körperlichen
Geschlecht verknüpfte Vorstellungen - erklären und verdecken das Problem.
In der folgenden Untersuchung wurde ein Modell überprüft, das die Beziehungen zwischen geschlechtstypischen Eigenschaften,
dem Selbstwertgefühl und dem Essverhalten spezifiziert und in amerikanischen und deutschen Stichproben bereits getestet wurde.
Um herauszufinden, wie gut dieses Modell in einer nicht westlichen Stichprobe
passt, wurde 1993 - bevor
die markwirtschaftlichen Reformen greifen konnten - eine
anonyme Fragebogenuntersuchung in Ekaterinburg durchgeführt,
an der 619 russische Studentinnen und Studenten teilnahmen. Einschränkungen
des Essens aus wirtschaftlichen Gründen wurden dabei unabhängig
von Einschränkungen des Essens, um abzunehmen, gemessen.
Die Kovarianzstrukturen wurden mit dem Computerprogramm EQS analysiert.
Das getestete Modell konnte bestätigt und verfeinert werden: 1. Die Häufigkeit von Diäten hing
bei Männern allein vom körperlichen
Attraktivitätsgefühl ab.
Bei Frauen hingegen war das Selbstwertgefühl insgesamt
entscheidend. 2. Die Korrelation zwischen der Häufigkeit von Diäten und maskulinen Eigenschaftenfeminin
- abhängig
- feinfühlig
- nachgiebig
maskulin
- ehrgeizig
- entschlossen
- intelligent
BSRI
war in beiden Gruppen fast Null. Die Strukturgleichungsanalysen deckten jedoch
auf, dass die Ausprägung von maskulinen
Eigenschaften in einer Gruppe - bei den Frauen - durch Diäten signifikant beeinflusst wurde. 3. Die Richtung
des Einflusses von Diäten hing von dem Maskulinitätswert
ab. Diäten verbesserten die Wahrnehmung von maskulinen
Eigenschaften bei den Frauen, die weniger maskuline Eigenschaften
hatten als der Durchschnitt. Die umgekehrte Wirkung hatten Diäten
bei den Frauen, die einen überdurchschnittlich hohen Maskulinitätswert hatten.
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