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Der Neptunbrunnen wurde vor
über 100 Jahren (1886-91) von Reinhold Begas im Auftrag von Kaiser Wilhelm II geschaffen
und 1891 im Park des Stadtschlosses errichtet. Er wurde im Krieg
erheblich beschädigt, von Grund auf renoviert und 1969 an
seinem heutigen Standort wieder aufgebaut.
Der Neptunbrunnen steht im Zentrum von Ost-Berlin, mitten
auf einem windigen Platz zwischen dem Alexanderplatz, dem Fernsehturm,
dem Roten Rathaus und dem Palast der Republik. Inmitten von gesichtsloser
DDR Architektur wirkt der barocke Brunnen aus Bronze und Granit
hier etwas fehl am Platz. Die faszinierende Wirkung des
Brunnens wird dadurch jedoch nur verstärkt.
Neptun ist der römische
Name für Poseidon. In der griechischen
Mythologie ist Poseidon der Gott der Meere. Als Begas vor über
100 Jahren den Neptunbrunnen schuf, wollte der Kaiser Deutschland
in eine Seemacht verwandeln. Kaiser Wilhelm II wird herkömmlich
als Antisemit und als reaktionär charakterisiert, dessen
Politik, insbesondere der Aufbau der deutschen Flotte, unvermeidlich
zum 1. Weltkrieg führte.
In der ersten Biografie des Kaisers seit über 30 Jahren
beschreibt Giles MacDonogh einen vielschichtigeren Charakter und zeigt, dass er mit
seiner englischen Mutter, Königin Viktoria's Tochter Vicky,
weitaus mehr gemein hatte, als meistens wahrgenommen wird.
"Er hat ihr Erinnerungsvermögen geerbt, ihren Mangel
an Überheblichkeit, Offenheit, Lebendigkeit, Launenhaftigkeit,
Überschätzung ihrer eigenen Bedeutung, ihre Schlauheit
ohne Weisheit," schreibt MacDonogh und listet in seiner
typischen Art gute und schlechte Eigenschaften auf, ohne zu moralisieren
(amazon.com).

Weichsel III
Nach der klassischen Mythologie wurde Poseidon von seinem
Vater Cronos verschluckt. Cronos war der Sohn von Uranus, der
der erste Herrscher des Universums gewesen sein soll.
Es wird erzählt, dass Uranus seine eigenen Kinder hasste
und sie unter der Erde gefangen hielt. Dies schmerzte ihre Mutter
Gaia so sehr, dass sie eine Revolte gegen ihn unterstützte.
Uranus wurde gestürzt. Der neue Herrscher Cronos sperrte
seine Geschwister jedoch auf die gleiche Weise tief unter der
Erde ein. Seine Eltern prophezeiten ihm, dass er von seinem eigenen
Sohn enthront werden würde. Um diesem Schicksal zu entgehen,
verschluckte Cronos seine Kinder nach ihrer Geburt. Seine Frau
Rhea war außer sich, weil sie ständig schwanger war,
aber nie eine Mutter sein konnte.

Oder II
Es gibt unterschiedliche Versionen dieser klassischen Mythen.
In einigen Fassungen heißt es, Cronos habe Poseidon nicht
verschluckt, sondern ihn in die Tiefe des Meeres verbannt, oder
Rhea habe Cronos erzählt, sie hätte ein Pferd geboren,
und ihm ein Fohlen zum Verschlucken gegeben anstatt ihres Kindes.
Dass Zeus nach seiner Geburt verschluckt wurde, konnte sie dadurch
verhindern, dass sie Cronos einen mit Stoff umwickelten Stein
gab, als ob dies das neugeborene Kind sei.
Als Zeus erwachsen war, hat er Metis (Medusa) gebeten, ihn
gegen seinen Vater zu unterstützen. Metis verabreichte Cronos
daraufhin heimlich eine Droge - ein Brechmittel - das ihn zwang,
alles, was er verschluckt hatte, von sich zu geben. Zuerst kam
der Stein heraus, und anschließend alle seine Kinder einschließlich
Poseidon.
Von Metis (Medusa), der Göttin aller Weisheit und des
Wissens, ist selten die Rede, obwohl sie in der klassischen Mythologie
eine sehr wichtige Rolle spielt. Nachdem sie Zeus geholfen hatte,
gegen seinen Vater vorzugehen, hat er sie gezwungen, seine erste
Frau zu werden. Als Metis mit Athena schwanger war, begann sich
Zeus Sorgen zu machen, weil ihm prophezeit worden war, dass ihr
Kind ihn ersetzen würde. Er verschluckte die schwangere
Metis, um dies zu verhindern. Es wird selten erwähnt, dass
Metis die Mutter von Athena war, weil bei den Griechen Frauen
eine untergeordnete Rolle spielten und weil Zeus Metis geschluckt
hat, bevor Athena geboren wurde. Die Griechen glaubten, dass
Kinder aus den Samen des Vaters hervorgehen und Frauen nur ein
Gefäß sind, in dem sie sich am Anfang entwickeln.
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